Freitag, 8. September 2017

Interview für das Magazin "La Palabra Israelita"

In einem langen Interview hat Hans Kychenthal sehr persönlich erstmals in der chilenischen Presse über die Geschichte seiner Familie berichtet. Die diesjährige August-Ausgabe von "La Palabra Israelita", die gedruckt und online erscheint, berichtet auch über die Entstehungsgeschichte der NDR-Fernsehdokumentation "Kychenthals Rückkehr". Hier ist der Link zum Artikel.
Online-Ausgabe von "La Palabra Israelita"




Sonntag, 23. Juli 2017

Neue Geburtsurkunde ohne "Israel"

Geburtsurkunde aus 2017.
Ende Juni 2017 war es endlich soweit: Hans Kychenthal hat eine neue Geburtsurkunde. Diese enthält nur seinen Familiennamen (Kychenthal) und den Vornamen (Hans), den seine Eltern für ihn vor 81 Jahren ausgewählt hatten.
Ausgestellt wurde die neue Urkunde vom zuständigen Standesamt in Hamburg-Eimsbüttel.
Bisher war Hans nur im Besitz einer im Jahr 1939 ausgestellten Geburtsurkunde, die zusätzlich den zwangsweise von den Nazis eingefügten Vornamen "Israel" enthielt.
Dieses Dokument hatten seine Eltern Anfang 1939 für Hans beantragen müssen, damit die Familie überhaupt Visumanträge zur Ausreise aus Deutschland stellen konnte. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen gelang es den Kychenthals schließlich ein Visum für Chile zu erlangen. Die Flucht glückte mit einem der letzten Schiffe aus Europa nach Südamarika im Oktober 1939.

Geburtsurkunde aus 1939



 Grundlage für den staatlich erzwungenen zusätzlichen Vornamen "Israel" war ein Gesetz aus dem Sommer 1938. Die "Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen" vom 17. August 1938 (RGBl I, 1044) wollte jüdische Deutsche bereits anhand ihrer Vornamen sofort kenntlich machen. Wenn sie nicht bereits einen jüdischen Vornamen trugen, der "im deutschen Volk als typisch angesehen" wurde, mussten alle in Deutschland lebenden Juden vom Januar 1939 an zusätzlich den Vornamen "Israel" oder "Sara" annehmen.
Auch in die Reisedokumente von Hans Eltern wurden 1939 diese beiden zusätzlichen Vornamen eingefügt.

Hans freut sich nach eigenen Worten sehr über seine neue Geburtsurkunde. Als ich ihn fragte, ob ich diese beiden persönlichen Dokumente hier auf kychenthal.de veröffentlichen darf, schrieb er: "No problem, ... it is only the truth."

Montag, 17. Juli 2017

Treffen in Berlin

Treffen mit Hans Kychenthal und seiner Frau in Berlin.
Für einige Tage aus dem chilenischen Winter in den regennaßen deutschen Sommer: Hans Kychenthal und seine Frau haben Ende Juni 2017 für einige Tage Europa besucht. Grund waren verschiedene Familientreffen in Berlin, Paris und Brüssel. Ich hatte in Berlin ein spannendes Gespräch mit den beiden. Zusätzlich konnte ich Hans mit seiner neuen Geburtsurkunde überraschen. Er hatte sich eine richtige Geburtsurkunde ohne den zwangsweise eingefügten Zusatznamen "Israel" gewünscht. Ein Dankeschön dafür geht an das zuständige Standesamt in Hamburg für die blitzschnelle Ausstellung der Urkunde.

Freitag, 7. Juli 2017

Hinter Schweriner Fassaden

Das Monatsmagazin "SCHWERINlive" hat in seiner März-Ausgabe 2017 die Geschichte der beiden Häuser "Am Markt 4/5" vorgestellt. In diesen Gebäuden befand sich bis 1939 das Kaufhaus Kychenthal. Die redaktionelle Vorstellung und der Verweis auf meinen Blog freuen mich sehr.

Hier gibt es die März-Ausgabe 2017 als PDF zum Runterladen auf der Website von SCHWERINlive.

Im Text habe ich kleinere redaktionelle Unschärfen zur Familie Kychenthal (Flucht mit "Söhnen und Enkeln" nach Chile, bzw. Angabe von Valparaiso als heutigem Wohnnort von Hans Kychenthal) gefunden. Im Radio würde man sagen, das "versendet sich...".

Um es kurz richtig zu stellen: Hans ist zu seinem Leidwesen immer Einzelkind geblieben und er wohnt seit vielen Jahren in Santiago de Chile.

Samstag, 31. Dezember 2016

Hans Kychenthal im Buch "Memoria Viva"

Im gerade in Chile erschienenen Buch "Memoria Viva" wird auch die Geschichte der Familie Kychenthal erzählt. Das Foto hier stammt aus dem Buch; das Projekt wird auf dieser chilenischen Website vorgestellt:
http://artepopular.cl/2016/11/23/memoria-viva-libro-que-narra-las-historias-de-refugiados-y-sobrevivientes-de-la-shoa-en-chile/


Hans Kychenthal im Buch "Memoria Viva" Foto:artepopular

Kurz vor Weihnachten schrieb mir Hans Kychenthal dazu diese Zeilen:

"The photo is one that shows me overlooking and sorting documents (...), it was published in a book called “ Memoria Viva “ - Live Memory - it tells the story of the survivors, many of them of concentration camps and their recilation, it is shocking to see how quickly this generation will no longer be able to tell their histories. This book will be sent to universities and schools over Chile. I had no idea that I would be mentioned, I never felt a survivor but looking back surly many acts of my live I have acted a one.
This year, Christmas and Januka fall the same day, a moon calendar curiosity, so we, together with our families will celebrate and ask for peace the same night, and drink a cup of champagne, a few days later for the best of a new year in heath and prosperity!"

Ganz diesem Sinne wünsche ich allen ein gutes Jahr 2017!

Mittwoch, 9. November 2016

Gedenken an die Pogromnacht in Schwerin

Mehr als 200 Schweriner Bürgerinnen und Bürger haben heute an die Pogromnacht in Schwerin im Jahr 1938 erinnert. In seiner Ansprache erinnerte der ehemalige Landesrabbiner William Wolff an das damalige Unrecht. Inzwischen gebe es aber eine überwältigende Mehrheit in Deutschland, die für eine demokratische und offene Gesellschaft eintrete. Das heutige Deutschland sei im Umgang mit Flüchtlingen "inzwischen ein Vorbild für andere in Europa geworden", so Wolff.
In der Pogromnacht  wurde 1938 auch das Kaufhaus Kychenthal verwüstet. Die Geschäftsinhaber Louis, Ludwig und Willy wurden in "Schutzhaft" genommen. Während der Haft wurden sie gezwungen, dem Verkaufsvertrag für das Kaufhaus zuzustimmen. Da die Synagoge am Schweriner Schlachtermarkt aus Gefahr für angrenzende Gebäude nicht angezündet werden konnte, wurden Mitglieder der jüdischen Gemeinde gezwungen das Gebäude selbst abzutragen.
Gedenkveranstaltung vor der Synagoge auf dem Schweriner Schlachtermarkt am 9.11.2016. Foto: Baerens

Die Gedenkveranstaltung in Schwerin findet seit vielen Jahren regelmäßig am 9. November statt. Sie wird von Schweriner Bürgern gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde organisiert.


Montag, 29. Februar 2016

Tolle Internetseite: www.juden-in-mecklenburg.de

Wer sich für die Geschichte der Juden in Schwerin interessiert, der kann auf der Internetseite www.juden-in-mecklenburg.de zahlreiche interessante Informationen finden. Die Website beschäftigt sich mit der Geschichte der Juden des historischen Mecklenburgs, also der ehemaligen Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz und des später daraus gebildeten Landes Mecklenburg.
Ziel der Initiatoren der Internetseite (Sylvia Ulmer und Jürgen Gramenz) ist eine möglichst vollständige Rekonstruktion des vernichteten jüdischen Teils der Mecklenburger Historie. Es geht ihnen um die Darstellung des Lebens der ehemaligen jüdischen Bevölkerung Mecklenburgs sowie "ihrer Geschichte und Persönlichkeiten, ihrer kulturhistorischen Hinterlassenschaften, Verwandtschaftbeziehungen, Errungenschaften und Leistungen, damit diese nicht vergessen sind."
Ein tolles Internetprojekt. Es beschreibt sehr gut das kulturelle und soziale Umfeld in dem die Familie Kychenthal in Schwerin gelebt hat.

Samstag, 9. Januar 2016

Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!

Hans vor dem Museum in Schwerin (1939)
Heute wird Hans Kychenthal 80 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch nach Chile! Hans wurde am 9. Januar 1936 in Hamburg geboren, sehr wahrscheinlich im Israelitischen Krankenhaus. Eine Geburt in einem Krankenhaus in Schwerin war für seine Eltern nicht mehr möglich, eine Hausgeburt keine Option.Im Oktober 1939 mussten Annemarie und Ludwig Kychenthal mit ihrem Sohn Hans Schwerin verlassen. Mit viel Glück gelang der Familie die Ausreise über Genua (Italien) mit dem Passagierschiff "Conte Grande". Es war eines der letzten Schiffe, die Europa nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges noch mit jüdischen Flüchtlingen verlassen konnten. Gute Freunde und Verwandte aus der Schweiz und den Niederlanden hatten der Familie ein Visum für Chile organisiert.


Hans vor dem Museum in Schwerin (2014)
In Chile begann die Familie ganz von vorn. Hans Vater, Ludwig Kychenthal, baute eine neue Firma auf. Das Unternehmen gibt es noch heute, es produziert und vertreibt mit etwa 50 Mitarbeitern Werbegeschenke und ist damit Marktführer in Chile. Hans hat sich Ende 2015 erstmals zur "Hauptsaison" seiner Firma rund um den Jahreswechsel freigenommen. Das schrieb er mir in seiner letzten E-Mail. Eine Kreuzfahrt und ein Familientreffen zum 80. Geburtstag waren die Gründe dafür.

Im Januar 2014 kam Hans für die Dreharbeiten der NDR-Fernsehdokumentation "Kychenthals Rückkehr" nach Schwerin. Ich habe ihn damals um ein Foto vor dem Schweriner Museum auf dem Alten Garten gebeten. Hier wurde er von seinen Eltern im Jahr seiner Ausreise letztmals in Schwerin fotografiert.  

Donnerstag, 7. Januar 2016

Geburtstagspost für Hans

Nur noch zwei Tage, dann wird Hans Kychenthal 80 Jahre alt. Ein kleines Geschenk ist schon seit Ende Dezember 2015 per Post von Schwerin aus unterwegs.
Auch Hans ist unterwegs: seit dem 20. Dezember 2015 mit einem Schiff von Valparaíso nach Montevideo.Geplante Ankunft am 8. Januar 2016. Gute Fahrt!

Samstag, 5. September 2015

Einladung zur Finissage in Goldberg: Kychenthal besucht Bernhard

Zur Finissage der Ausstellung "Karl Bernhard - ein vergessener Meister"  werde ich morgen in Goldberg sein und dabei über das Kaufhaus Kychenthal und die Entstehung des NDR-Films berichten.
Die Galerie GOLDBERGKUNST lädt zu dieser Veranstaltung ein. Sie beginnt am Sonntag (6. September 2015) um 17 Uhr. Veranstaltungsort ist die Lange Straße 90, 19399 Goldberg. 
Der Eintritt ist frei, der Veranstalter bittet um Platzreservierung unter Tel. 0151-27584744.
Karl Bernhard (1859-1937) war einer der bedeutensten Bauingenieure seiner Zeit. Er wurde in Goldberg geboren. Die Ausstellungsmacher möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten, Karl Bernhard aus der Vergessenheit zu holen, in die er als Jude während der 30er Jahre in Deutschland gestoßen wurde. Mehr Infos zu Karl Bernhard enthält dieser spannende Artikel von Dr.-Ing. Karl-Eugen Kurrer im Momentum-Magazin.
Auch Vorfahren der Familie Kychenthal lebten einmal in Goldberg, wie zum Beispiel Otto Kychenthal (1777-1841).

Auch dieses Mal ist es dem Kurator und Gründer von Goldbergkunst gelungen, etwas über Goldberg – sein neues Zuhause – herauszufinden. Die neue Ausstellung erzählt einiges über den Bauingenieur Karl Bernhard.   Fotos: sabrina panknin
Die Ausstellung in Goldberg. Foto: Sabrina Panknin